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Rollkur und andere Tierquälermethoden

„Die Rollkur ist zu stark eingestellt!“, „Kandare ist Tierquälerei!“, „Pferde tragen in freier Wildbahn ja auch keine Gamaschen!“.

Vor allem unsere letzen beiden Videos auf unseren Instagram-Account nxf_horses haben uns feststellen lassen, wie polarisierend das Thema Rollkur ist und vor allem wie viel Diskussionspotential dieses Thema bietet.

Aber was ist eigentlich Rollkur?

Und genau hier befinden wir uns übrigens an dem ersten Punkt. Aus unserer Sicht ein kritischer Punkt, was dieses Thema betrifft. Viele Leute haben schlichtweg keine Ahnung was Rollkur bedeutet. Dennoch schreien sie „Tierquäler!“, sobald das Pferd hinter der Senkrechten geht.

Um das Ganze einmal sachlich zu erläutern:
Laut FEI existiert ein Unterschied zwischen Hyperflexion (Rollkur) und LDR (Low-Deep-Round). Hyperflexion bezeichnet das aggressive Reiten. Dieses führt dazu führt, dass das Pferd eine zu enge Kopf- und Halsposition annimmt. Hyperflexion ist verboten.

LDR hingegen bezeichnet auch eine enge Kopf- und Halsposition. Diese ist allerdings nicht durch aggressives Reiten verursacht wird.

Diese Methode ist auf Abreiteplätzen bis zu 10 Minuten am Stück erlaubt. Bei einem Bild, welches man in jeglichen sozialen Netzwerken sieht. Das Wort „Rollkur“ in den Mund zu nehmen ist in den meisten Fällen also schlichtweg falsch. Es sein denn der Reiter hat einen sichtbaren Elektroschocker in der Hand.

Wie möchte ein Facebook- oder Instagram Nutzer anhand eines kurzen Videos oder gar eines Fotos aggressives Reiten beurteilen? Seine Fachkenntnisse in allen Ehren)

Rollkur

 

Abgesehen von den „LK 1 Facebookanalytikern“ , die zu allem die absolut einzig richtige Meinung haben, werden gerade auch bei jüngeren Nutzern der sozialen Netzwerke falsche Erwartungen erzeugt.

Wow – du bist wirklich 12 Jahre alt und bezichtigst Weltmeister, Olympiamedaillengewinner und A-Kader Mitglieder als Tierquäler?

Am besten noch anhand eines Fotos? Respekt! Ach nein, das ist ja ein Fremdwort für dich! Wir sind beide keine Menschen, die sich ohne Weiteres öffentlichen Diskussionen anschließen. Um mit wildfremden Menschen über die Richtigkeit getroffener Aussagen zu diskutieren.

Allerdings ist es wirklich Wahnsinn was sich einige Menschen in solchen Diskussionen herausnehmen.

Diskussionen aus dem Weg gehen

Und genau um solchen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, werden eben keine Videos und Fotos mehr gepostet, auf denen das Pferd auch nur ansatzweise zu eng geht. Das Tierquälerimage möchte man nämlich tunlichst umgehen.

Und genau hier stellt sich die Frage:
Ist das der richtige Weg? Es muss doch möglich sein,  Trainingsvideos zu posten, auf denen das Pferd noch nicht für eine 8 piaffiert,sondern noch einige Taktfehler macht.

Sind es wirklich nur noch die perfekten 10 Sekunden des täglichen Trainings auf die die Öffentlichkeit aus ist?

Vorstellung eines Reiters aus dem Bereich

Dann können wir euch einen Vorreiter in diesem Bereich vorstellen:
das GLOCK Performance Center, in welchem Edward Gal und Hans-Peter Minderhoud als Chefbereiter tätig sind. Die teuersten Turnierpferde auf traumhaft gepflegten Paddocks. Hier und da ein lustiges Bild auf der Stallgasse. Und das am besten noch in Kombination mit rauschenden Siegerehrungen in denen die Pferde dann losstrampeln.

Eine tolle Seite, keine Frage!

Aber ohne einen jeglichen negativen Kommentar?
Niemand, der etwas Schlechtes sagt? Selbst nach dem EM-Skandal des letzten Jahres, als Glock’s Undercover mit Blut im Maul disqualifiziert wurde (eine Situation, die auf deren Seite übrigens niemals erwähnt wurde). Im Selbsttest mussten wir dann feststellen, dass negative Kommentare gelöscht und diese Nutzer umgehend blockiert wurden.

Und wieder fragen wir uns: ist das der Weg, der eingeschlagen werden sollte? Nahezu jeder fordert mehr Transparenz, mehr Ehrlichkeit, mehr Fairness. Und um das zu erreichen, was so viele fordern ist eines unabdingbar: wachsende Toleranz!

Toleranz von Turnierreitern

Toleranz von den Turnierreitern für diejenigen, die sich sportlich nicht messen möchten, sondern glücklich damit sind, die Zeit mit ihren Pferden zuhause zu verbringen. Aber auch Toleranz von den Nicht-Turnierreitern für die Turnierreiter, auch wenn das was sie auf einigen Bildern oder Videos sehen nicht ihrem Ideal entspricht.

Nicht jeder, dessen Pferd einmal zu eng geht, hat es verdient als Tierquäler deklassiert zu werden (einige haben es übrigens verdient, das steht außer Frage!).

Und vor allem:

Sporen, Kandare oder gar Gamaschen sind keine Foltermittel! Jedes dieser Instrumente ist nur so stark, wie die Hand, die es betätigt. Und ob es den Reitern, die das Halsringreiten als die einzig wahre Methode ansehen, nun passt oder nicht: die Kandare ist ab Klasse M ein unausweichliches Ausrüstungsstück und in den richtigen Händen oft sanfter als jeder Halsring an einem Shetlandpony, der von einem 15 jährigem Kind jenseits der 80 kg bedient wird.

Zusammenfassung

Wir sind keine Moralapostel, keine Weltverbesserer und auch keine Profireiter. Trotzdem wollten wir die momentane Situation nutzen, um dazu anzuregen, dieses schwierige Thema aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten.Den ersten Eindruck nicht immer als den richtigen zu erachten.

Denn seien wir mal ehrlich, was wissen wir wirklich über das Pferd welches wir gerade sehen? Was wissen wir über seinen Leistungsstand, seine Probleme, was wissen wir über den Reiter? Keine Frage; es gibt genügend schwarze Schafe, denen man die Möglichkeit den Reitsport auszuüben definitiv entziehen sollte.

Um jedoch mal wieder wahre Bilder des Reitsports zu transportieren. Nicht jedes Pferd kommt als Parcourskönig und Passagequeen auf die Welt. Um die Werdegänge von einigen Pferden zusammen mit ihren Reitern intensiver mitverfolgen zu können, muss die Öffentlichkeit Fehler wieder zulassen können.

Damit ist nicht das Todschweigen von Fehlern gemeint. Die konstruktive Kritik in Kombination mit genügend Verständnis, um der breiten Masse, die ihren Pferden nämlich nur Gutes wollen, wieder ein wenig gerechter zu werden. 😉

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