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Teil 2: Arbeit mit Jungpferden – Der Weg zum Dressurpferd

Egal, ob Spring- oder Dressurpferd, eine solide Grundausbildung ist das A und O, um dem Pferd den Weg zur höchsten Leistungsfähigkeit zu ermöglichen. Und auch wenn es schlussendlich nicht in den Sport geht, ist es unerlässlich, dass junge Pferde ihr Gleichgewicht finden, um einer einseitigen Belastung und den damit verbundenen Abnutzungserscheinungen vorzubeugen. Ein krankes Pferd möchte nämlich keiner – ob Freizeit- oder Turnierreiter.

Der wohl wichtigste Faktor bei der Ausbildung von jungen Pferden: Zeit! Und in Verbindung damit vor allem Geduld, die bei der Ausbildung eines jungen Pferdes nicht unterschätzt werden sollte. Jedes Pferd lernt und entwickelt sich anders – dem einen ist der Takt und die Geraderichtung in die Wiege gelegt, der andere schafft es nicht eine lange Seite geradeaus zu laufen, ohne den Umweg von 30 Bögen und Kurven in Anspruch zu nehmen. Insbesondere große Pferde müssen zunächst lernen ihren Körper zu koordinieren und benötigen daher häufig etwas mehr Zeit.

Unser mittlerweile 4-jähriger Fino ist in der Beziehung ein wahrer Musterschüler und macht es uns dementsprechend einfacher als viele andere Pferde. Bereits beim Ausprobieren (damals war er gerade wenige Wochen unter dem Sattel) konnte er sich bereits toll ausbalancieren, ohne Probleme links und rechts angaloppieren und war von Anfang an sehr rittig und lernbegierig. Vor dem Reiten haben wir ihn trotzdem immer kurz ablongiert, damit er sich austoben konnte und die Muskulatur sich langsam aufwärmt. Außerdem ist hier der Faktor Sicherheit nicht zu unterschätzen, denn die Sätze, die Fino an der Longe vollführt hat, wären sicherlich schwierig auszusitzen gewesen.  Unser tägliches Reitprogramm bestand von vorne herein ausschließlich aus vorwärts-abwärts, Übergänge von Trab-Galopp, Trab-Schritt und umgekehrt. Ansonsten reiten wir einfache Bahnfiguren wie Zirkel oder Schlangenlinien. Um seine ohnehin sehr gute Balance weiter zu festigen, reiten wir ihn häufig auf dem 2. oder 3. Hufschlag, damit er den Halt nicht zu sehr an der Bande sucht.

Da wir ein sehr schönes Ausreitgelände um unseren Hof herum haben, gehen wir meistens einmal die Woche mit ihm und einem erfahrenen Pferd ins Gelände. Obacht: auch das sollte mit jungen Pferden der Sicherheit wegen nicht überstürzt werden! Für Fino bieten die Geländetage eine tolle Abwechslung und ganz nebenbei ist er durch umgekippte Bäume und seengroßen Pfützen  mittlerweile wesentlich „abgehärteter“ und verliert in der täglichen Arbeit weniger schnell die Konzentration bei ungewöhnlichen Dingen rund um den Reitplatz. Da wir ihn maximal drei Mal die Woche reiten, geht er die restliche Zeit auf die Weide oder wird an einigen Tagen longiert.

Jedes Pferd schleppt irgendwo sein Laster mit sich. Finos Manko war, dass er sich als Hengst trotz aller Abhärtungen schnell ablenken ließ und etwas zu klemmig am Bein war. Zudem muss man mit einem jungen Hengst doch deutlich vorsichtiger und strenger umgehen, als mit anderen Pferden in diesem Alter. Da wir kein Interesse an der Zucht mit ihm haben sondern  reine „Reiter“ sind, haben wir uns im Spätsommer dazu entschlossen ihn legen zu lassen – und das war die beste Entscheidung die wir treffen konnten. Nicht, dass er sonderlich schwierig oder böse als Hengst war, jedoch ist der Umgang und das Reiten in einer fremden Umgebungen sehr viel angenehmer und unkomplizierter geworden. Außerdem kann er nun ganz entspannt auf die Weide, das konnte er zwar vorher auch, allerdings ohne Partner beziehungsweise Nachbarn. Das einzige, wovon wir Abschied nehmen mussten, ist sein toller Hengsthals aber das sollte das geringste Übel sein! ☺

Auch wenn Fino jetzt bereits 4 ist , hat sein Programm sich kaum verändert. Mittlerweile bauen wir zwar auch eine Runde Aussitzen oder engere Volten in das tägliche Programm ein, allerdings alles auf spielerische Art und Weise und immer so, dass er den Spaß an der Arbeit beibehält. Auf dem Turnier war er bislang zwar noch nicht, allerdings darf er in diesem Jahr eventuell etwas Turnierluft in Reitpferdeprüfungen schnuppern.

Abschließend können wir sagen, dass der Umgang und die Ausbildung eines jungen Pferdes enorm viel Spaß bringt, da die Fortschritte nahezu sofort sichtbar sind und mögen sie noch so klein sein, sie erfüllen ein mit sooo viel Stolz! Der Weg bis zur schweren Klasse ist natürlich lang , erfordert viel Zeit, Ausdauer und Geduld  und wird sicherlich auch einige Rückschläge mit sich bringen. Trotzdem freuen wir uns auf alles, was wir in Zukunft mit unseren Jungspunden erleben dürfen und verfolgen dabei natürlich unser Hauptziel: Spaß und Freude am Reiten haben und zwar für alle Beteiligten. Getreu dem Motto #happyhorsehappyrider! ☺

Nicole Klement & Friederike Hahn

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