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Turnieranfänger und ihre Marotten

Turnieranfänger und Ihre Marotten

Die erste Diagonale im Mitteltrab, wenn auch ähnlich der Gangart Tölt, wurde durchgehalten und der erste vollständige Parcours wurde absolviert. Zwar fünf (von sieben) um, eine kleine Volte musste auch eingebaut werden, aber wenn nicht jetzt – wann dann? Bereit fürs Turnier, es kann losgehen!

  1. Der Fight um den Nennplatz
    Das Turnier wurde ausgewählt, die Ausschreibung bereits auf der hinterletzten Internetseite des RuFVs entdeckt und die Prüfungsnummern notiert. Das Turnier ist erst in 3 Monaten? Das macht nichts, ab jetzt wird fn-neon.de aktualisiert – stündlich. Wäre doch gelacht wenn keiner von den 50 Nennplätzen ergattert werden kann.
  2. Lunchbox: Man weiß ja nie was einen erwartet
    Es liegen zwar nur 15 Kilometer zwischen dem Heimat- und dem Turnierstall, aber man sollte doch für alles gerüstet sein. Für einen Stau zum Beispiel oder ein Unwetter. Oder für eine Flutwelle wie bei „The Day after Tomorrow“. Da wird sich Omas Thermoskanne geliehen, Sandwiches geschmiert, die Subway neidisch blicken lassen, und eine Schwarzwälder-Kirsch-Torte gebacken. Die Rückbank ist auf jeden Fall belegt – mit Nahrung für alle anwesenden Turnierteilnehmer.
  3. Stilsicher in Cashmere und Wildleder
    Die iPhone-Wetter-App kündigt für den kommenden Tag 14 Grad und insgesamt durchwachsenes Wetter an. 75 % Regenwahrscheinlichkeit. Allerhöchste Zeit, dass die Turniermami von heute ihre orangenen Wildlederslipper mal wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Frau von heute weiß schließlich, was man trägt. In Kombination mit dem beigen Cashmere-Schal eine absolute Augenweide und einfach sooo bequem und praktisch, dass man damit den ganzen Tag über den Turnierplatz laufen kann.
  4. Timing die Erste: „Lieber etwas Puffer einbauen“
    Der große Turniertag ist gekommen, Prüfungsbeginn um 7:30 Uhr! Das hiesige Rechnen beginnt: Pferd waschen und einflechten, da kann man schon mal 3 Stunden für veranschlagen. Zwanzig Minuten reguläre Fahrzeit, man sollte allerdings unbedingt noch einen Puffer für die bereits erwähnte Flutwelle einbauen. Und was wenn man erster Teilnehmer ist? Unbedingt zwei Stunden vor Prüfungsbeginn vor Ort sein. Aufstehen müssen wir also um… Ach, warum überhaupt schlafen gehen!
  5. Die Fan-Base
    Mama, Papa, Schwester, Oma, Opa, Tante, Großcousine, Nachbar der Großcousine, Gärtner der Großcousine. Am Tag der Tage versammelt sich die Fangemeinde, in durchschnittlicher Größe einer Schulklasse, am maroden Zaun des RuFVs Ackerhausen. Mit im Gepäck: mindestens ein Baby im Kinderwagen, rosafarbene Pompoms und gaanz viele themenspezifische Experten-Fragen.
  6. Timing die Zweite: Bei Prüfungdsbeginn wird auf dem Pferd gesessen
    Da steht man extra so früh auf, um um 4:00 Uhr auf dem Turnierplatz zu sein und dann hat noch nicht einmal die Meldestelle geöffnet. Eine bodenlose Frechheit! Startfolge J, bei 50 Nennungen… Da wird Horsti sicherheitshalber schon einmal fertig gemacht. Oh, 48. Starterin? Lieber schon einmal mit dem Abreiten beginnen.
  7. Ab L wird mit Zylinder geritten
    Ab Dressurprüfungen der Klasse L ist der Zylinder erlaubt – und der will auch getragen werden! Wahlweise auch gerne mit ausgefranstem Fähnchen auf der Rückseite. Ab jetzt ist man schließlich zu gut für den Einsteiger- und Anfängerbereich und das soll doch bitte auch ein jeder wahrnehmen.
  8. Timing die Dritte: Jetzt wird abgesprungen
    Safety first: auch beim Abspringen sollte immer genügend Zeit eingeplant werden. Schließlich könnten auch 7 Reiter vor einem ausfallen und dann steht man dort und hat erst 38 Sprünge absolviert, absolut noch nicht bereit den Parcours zu betreten. Generell gilt ja sowieso: was bis zum Turnier nicht sitzt, lässt sich ganz hervorragend auf dem Abreiteplatz üben. Und dann wird gesprungen, und zwar zuerst über den Ochser, dann über den Steilsprung. Vier Loch tiefer als eben? Der Sprung wird trotzdem mitgenommen. Mehr ist schließlich mehr.
  9. Die Siegerehrung: Zuerst möchte ich meinen Füßen danken
    … ohne die ich hier heute nicht stehen würde. Und meiner bereits angesprochenen Fan-Base. Und der Flutwelle, dass sie es heute gut mit uns gemeint hat. Achja, irgendwo natürlich auch noch meinem Pferd, dass es mich, trotz 1,5 stündigem Abreiten, lebendig durch die Ziellinie getragen hat. Zum Dank darfst du mich und unsere grüne Schleife nun in Tempo 180 (stets angemessen für Ehrenrunden und zwar wetterunabhängig) durch die Ehrenrunde tragen und zwar nicht nur eine, sondern vier Runden. Mit ganz viel Glück gibt’s auch noch die Siegerfaust an der Mitte der langen Seite und auch das Siegerpaar wird überholt. Wenn schon nicht auf der Ergebnisliste, dann wenigstens in der Ehrenrunde.
  10. Das Schleifchen: Die Frontschreibe als Vitrine
    Wenn Pferd und Reiter die Ehrenrunde überlebt haben und tatsächlich schon nach einer Prüfung nach Hause fahren (gerne auch drei Prüfungen pro Tag), geht es jetzt nur noch darum, einen krönenden Abschluss zu schaffen und aller Welt mitzuteilen, wie erfolgreich man heute doch war. Step 1: Die Schleife in der Frontscheibe drapieren oder wahlweise auch gerne an den Rückspiegel hängen. Oberstes Gebot hierbei: sichtbar muss es sein. Man will schließlich wahrgenommen werden, wenn man die Tore des heimischen Reitstalls passiert.

 

Dieser Artikel basiert auf empirischen Forschungen und ist zu 101% wahrheitsbezogen. Überzogene Äußerungen oder gar Generalisierungen lassen sich hier nicht finden. Wir machen keinen Spaß.

Nicole & Fritzi
nxf_horses

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