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Verdauungsapparat des Pferd: Das müssen Sie wissen

Verdauungsapparat Pferd – Die Fütterung des Pferdes ist ein sehr wichtiger Faktor, um die Gesundheit des Tieres nicht zu riskieren. Doch erst, wenn Sie den Verdauungsapparat des Pferdes verstehen, werden Sie erkennen, wie wichtig die richtige Fütterungsweise ist. Deshalb möchten wir Ihnen nachfolgend das Verdauungssystem der Pferde erklären:

Der Verdauungsapparat des Pferdes

Der Verdauungsapparat des Pferdes besteht aus den folgenden Bestandteilen:

  • Maul
  • Magen
  • Dünndarm
  • Dickdarm

Jedes dieser Verdauungsorgane hat eine bestimmte Funktion, auf die wir im Folgenden näher eingehen möchten.

Das Maul als erstes Verdauungsorgan

Das Maul ist der erste Teil des Verdauungsorgans und leistet sozusagen die Vorarbeit für den Magen. Dies bedeutet, dass das Futter hier nicht nur gekaut, sondern vorher ausreichend eingespeichelt wird. Wenn Sie Kraftfutter füttern, werden Sie bemerken, dass das Tier zum Schlingen neigt. Hingegen frisst es langsam und speichelt ausreichend ein, wenn es Raufutter zu sich nimmt. Damit das Futter im Magen optimal verdaut werden kann, muss es durch den Speichel zu einem Brei „verarbeitet“ werden. Anschließend bilden sich Magensaft sowie Magensäure und die Bauchspeicheldrüse nimmt die Arbeit auf. Des Weiteren erfolgt die Bildung von Verdauungsenzymen. Ehe Sie Kraftfutter füttern, achten Sie darauf, dass das Pferd Raufutter frisst. Hierdurch regt es automatisch die Speichelbildung an und kaut besser, sodass das Kraftfutter anschließend besser verwertet werden kann.

Die Verdauung im Magen

Hat das Pferd ausreichend eingespeichelt, gekaut und geschluckt, wird das Futter in den Magen weitergeleitet. Beim Pferd umfasst der ca. 18 Liter. Die Magensäure wird aktiv und sorgt dafür, sämtliche Keime abzutöten. Erst nach etwa 1 bis 5 Stunden – je nachdem, was das Tier gefressen hat – ist die Verdauung im Magen abgeschlossen, sodass das Futter in den Dünndarm weitergeleitet wird. Grundsätzlich kann Raufutter deutlich schneller verdaut werden als Kraftfutter. Wurde das Futter im Mund bereits ausreichend eingespeichelt, kommt es in der Regel seltener zu Koliken und anderen Beschwerden im Magenbereich. Schließlich tritt in dem Fall nur selten eine Fehlgärung auf.

Der Dünndarm: Enzymatische Verdauung

Vom Magen aus gelangt der Speisebrei in den Dünndarm. Dieser ist ca. 20 Meter lang und bringt ein Volumen von etwa 64 Liter auf. Im Vergleich zum Dünndarm des Menschen ist dies gigantisch. Frisst das Pferd Stroh oder Heu, werden die Faseranteile in der Regel unverdaut zum Dickdarm befördert. Der Dünndarm wiederum ist dafür verantwortlich, die schnellverdaulichen Bestandteile aus dem Kraftfutter enzymatisch zu verdauen. Diesbezüglich bilden sich Amylasen, Lipasen und Proteasen, die sowohl Fette und Eiweiße als auch Kohlenhydrate zersetzen. Das Futter bleibt generell ca. eineinhalb Stunden im Dünndarm, was vergleichsweise wenig Zeit ist. Anschließend wird es in den Dickdarm weitergeleitet. Aufgrund der schnellen Verarbeitung im Dünndarm sollten Sie darauf achten, dem Tier regelmäßig kleine Mengen Kraftfutter zur Verfügung zu stellen. Vermeiden Sie es hingegen, große Mengen in wenigen Mahlzeiten zu füttern. Dies wäre für das Pferd in der Regel mit schmerzhaften Koliken verbunden.

Verdauung im Dickdarm

Der Dickdarm des Pferdes ist im Vergleich zum Dünndarm mit gerade einmal 8 Metern recht kurz. Allerdings fasst er ein beachtliches Volumen von ca. 130 Litern. Neben dem Blinddarm befinden sich im Dickdarm der kleine und der große Kolon. Die Rohfaser (beispielsweise aus Stroh, Heu oder Klee), die im Dünndarm nicht verdaut wurde, wird nun im Dickdarm zersetzt. Dies kann bis zu zwei Tage dauern, da die körpereigenen Mikroorganismen zunächst die Cellulose, das Pektin und die Hemicellulose aufschließen müssen. Hierbei werden Vitamin B und hochverdauliche Fettsäuren gebildet. Damit diese Mikroorganismen wiederum überleben können, müssen Sie auf einen ausreichenden Rohfasergehalt im Futter achten. Dies bedeutet gleichermaßen, dass Sie nicht zu viel stärkereiches Kraftfutter füttern dürfen. Je 100 Kilo Körpergewicht benötigt das Pferd ca. 1,2 bis 1,5 kg Raufutter.

Wichtige Tipps zur Fütterung

Nachfolgend erklären wir Ihnen die wichtigsten Regeln für die Fütterung, sodass das gesamte Verdauungssystem optimal funktioniert:

  1. Legen Sie eine bestimmte Fütterungszeit fest, die Sie täglich einhalten
  2. Füttern Sie mehrfach täglich keine Mengen, damit die Verdauung bestmöglich funktioniert und das Pferd nicht unter Koliken leidet
  3. Vermeiden Sie es, zu viel Eiweiß zu füttern
  4. Vernachlässigen Sie nicht die Gabe von Rohfasern
  5. Wenn Sie das Tier auf neues Futter umstellen, lassen Sie sich hierfür bis zu zwei Wochen Zeit, damit sich das Pferd langsam an das neue Futter gewöhnt, denn der Magen ist sehr empfindlich
  6. Füttern Sie auf keinen Fall Mastfutter, beispielsweise für Rinder, Schweine oder Schafe. Pferde sind keine Masttiere, sodass Sie ausschließlich auf Pferdefutter zurückgreifen sollten
  7. Füttern Sie immer erst die Rohfasern, beispielsweise in Heu, ehe Sie das Kraftfutter füttern. Auf diese Weise verhindern Sie, dass Ihr Pferd das Kraftfutter zu sehr verschlingt
  8. Lagern Sie das Futter stets trocken und kühl, damit es nicht schimmelt und damit sich kein Ungeziefer einnistet
  9. Hierfür können Sie eine Futtertonne mit Deckel verwenden
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