Pferde

„Wenn der Kopf plötzlich nicht mehr mitmacht“

Reiten ist nicht ungefährlich – das wissen wir alle. Manchmal hört man von dramatischen, oder weniger schlimmen Unfällen, die dementsprechend gut oder leider weniger gut ausgehen. Prellungen, Gehirnerschütterung oder Brüche gehören beispielsweise zu den üblichen „Reiter-Verletzungen“. Dies gehört leider zum Alltag mit Pferden dazu und sollte man im täglichen Umgang mit ihnen immer bedenken. Auch das bravste, ruhigste Pferd kann mal erschrecken, blöd stolpern und vielleicht sogar stürzen.

Gerade deshalb ist es wichtig immer einen Reithelm zu tragen und seine Ausrüstung in regelmäßigen Abständen zu überprüfen.

Wenn man von klein an reitet, denkt man darüber nicht nach. Höher, schneller, weiter – ist meistens die Devise. Selbst wenn man ab und zu runter fällt, steigt man wieder auf und nach einem kurzen „Schreck-Moment“ ist alles wieder gut.

ohne Angst reiten
Doch was passiert, wenn nach solch einem Vorfall plötzlich der Kopf nicht mehr mitmacht? Wenn einem die Luft wegbleibt und es sich anfühlt als würde dir jemand den Magen zuschnüren? Wenn dir alle nach dem Unfall sagen „Stell dich nicht so an! – Es ist doch nichts passiert! Du kannst das und hast das schon 100x gemacht. Mach nicht so ein Drama daraus“.

Jede Person ist anders und jeder geht mit Unfällen oder Stürzen unterschiedlich um. Einigen macht es nichts aus, sie steigen wieder aufs Pferd und reiten weiter. Andere wiederum brauchen ein bisschen Zeit, bis der Knoten wieder platzt – und vereinzelte Reiter können anschließend vielleicht sogar nie wieder reiten. Dies ist von Person zu Person unterschiedlich und menschlich.

Doch leider gibt es immer wieder Menschen, die das nicht verstehen. Ein vermutlich „nicht schlimmer“ Unfall – ist für die betroffene Person vielleicht doch nicht immer so leicht zu verarbeiten wie man Anfangs dachte. Auch wenn man sich immer wieder denkt „Du kannst das – Es ist alles so wie immer – Das war ein dummer Moment und jetzt ist er vorbei“. Manchmal dauert es einfach seine Zeit, bis alles wieder normal wird und man wieder ohne dieses Trauma reiten kann. Dies kann unter Umständen unterschiedlich lange dauern. Manchmal kann es schnell verarbeitet werden oder dauert einige Zeit – vereinzelt sogar Jahre. Auch Pferde können nach Unfällen ein Trauma haben. Vor allem dann ist es wichtig, dem Tier sehr viel Zeit zu lassen und so gut es geht Sicherheit zu vermitteln.

Leider kommt es öfters als gedacht vor, dass von Außenstehenden Personen viel Druck ausgeübt wird. Sätze wie beispielsweise: „Stell dich nicht so an! Das war doch gar nicht schlimm! Es hätte viel schlimmer ausgehen können! Du bist so ein Angsthase! Dann hör doch auf zu Reiten oder spring nicht mehr. Verkauf dein Pferd wenn du nicht mehr aufs Turnier willst. Über die Höhe bist du vorher im Schlaf geritten. Das kann doch wohl nicht sein!“, sind dann an der Tagesordnung. Bei solchen Sätzen, fällt es einem immer wieder schwer, nicht doch an sich selbst zu zweifeln.

Wie schon gesagt, jeder geht mit so einer Situation anders um, deshalb ist es das Wichtigste, ehrlich zu sich selber zu sein und auf sein Gefühl und seinen Körper zu hören – sich und dem Pferd Zeit lassen, egal wie lange es dauert und egal wer dann blöd über einen redet oder dieses Verhalten belächelt. Man sollte sich auch selber nicht zu viel Druck machen, das bringt leider meistens gar nichts. Alles braucht manchmal seine Zeit und diese Zeit sollte man sich einfach nehmen. In erster Linie sollte doch beim Reiten der Spaß und die Gesundheit beider Partner im Vordergrund stehen. Man muss z.B. nicht ausreiten wenn man sich nicht traut, man muss auch nicht springen wenn man sich nicht traut und man ist kein schlechterer Mensch oder Reiter wenn man z.B. nur ein A und kein M Springen reitet oder?

Wirklich wichtig ist doch nur, dass man Spaß beim reiten hat, ohne Angst, ohne Zwang und ohne Druck und dabei nie seinen Partner das Pferd vergisst.

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